Voitsauer Wildblumensamen

DI Karin Böhmer · Astrid Dengscherz

Das Saatbeet

Zum Keimen und Wachsen brauchen alle Wildpflanzen Platz, das heißt einen unbewachsenen, gut gelockerten Boden. Einsaaten in eine bestehende Pflanzendecke haben meistens keinen Erfolg. Wollen Sie eine vorhandene Wiese mit Pflanzen anreichern, sorgen Sie fleckenweise für offenen Boden entweder in dem Sie die Grasnarbe abheben oder umstechen.

Mischen Sie die Samen gut durch bevor Sie sie ausstreuen. Nach dem Anbau sorgen Sie durch Anwalzen, Einrechen oder Angießen dafür, daß die Samen in Kontakt mit der Erde kommen. Keinesfalls dürfen die Wildblumensamen jedoch tiefer als 1 bis 2 mm mit Erde bedeckt werden, da viele sonst nicht mehr keimen können. Wenn Sie Schotterflächen begrünen wollen, mischen Sie die Samen mit Erde bevor Sie sie anbauen.

Die Anbauzeit

In der Natur reifen die meisten Samen im Herbst und fallen nach und nach ab. Daher ist Herbst, Winter und zeitiger Frühling die natürlichste Anbauzeit und wir empfehlen sie auf jeden Fall bei Begrünungen in der freien Landschaft, vor allem auf nährstoffreichen Böden.

Im Garten, wo Sie die Flächen besser unter Aufsicht haben, können Sie das ganze Jahr anbauen. Manche Samen brauchen allerdings einen Kältereiz um Keimen zu können.

Die Keimung

Ein- und zweijährige Wildpflanzen keimen auf den für sie passenden Standorten fast immer problemlos. Das ist für ihr Überleben in der freien Landschaft notwendig. Sie halten sich allerdings nur solange auf einer Fläche, wie sie unbewachsenen Boden vorfinden, wo ihre Samen keimen können und werden im Zuge der Entwicklung der Fläche von ausdauernden Pflanzenarten abgelöst. Diese haben oft komplizierte Keimungsansprüche und brauchen dementsprechend länger zum Keimen, manche mehrere Jahre. Bitte haben Sie daher Geduld! Unserer Erfahrung nach kommen fast alle für den jeweiligen Standort passenden Pflanzenarten zum Keimen und etablieren sich, wenn auch erst nach zwei bis drei Jahren. Danach bleiben sie aber und erfreuen Sie jedes Jahr von neuem.

Der richtige Standort

Für Begrünungen auf Acker- und Gartenböden gilt: Je nährstoffärmer und/oder trockener desto mehr Pflanzenarten können nebeneinander wachsen und die Fläche wird dauerhaft schön bunt. Sind nämlich viele Nährstoffe im Boden, werden sich einige wenige Pflanzenarten, die diese gut nützen können, durchsetzen und die anderen Arten verdrängen. Blumenwiesenansaaten dürfen daher nie gedüngt werden. Auf nährstoffreichen Böden (zum Beispiel ehemaligen Ackerflächen) kann man eine bunte Blumenflur schaffen, indem man kräftige und hochwüchsige ein- und zweijährige Pflanzen mit den ausdauernden Wiesenblumen anbaut. Die kurzlebigen Pflanzen keimen und wachsen nämlich rasch und bieten einen Schutz für die langsamwüchsigen und empfindlichen ausdauernden Wiesenpflanzen. Sie verhindern das Überhandnehmen von Pflanzen, deren Samen schon vorher im Boden waren (den sogenannten Unkräutern). Gänzlich unterdrücken kann man die bodenbürtigen Pflanzen bei keiner Wildpflanzenbegrünung, das ist auch gar nicht in unserem Sinn, da das, was von selbst kommt, auf jeden Fall paßt und zur Vielfalt beiträgt, solange es nicht überhand nimmt.

Die Bewirtschaftung der Ansaatfläche

Das Ziel einer Wildpflanzenbegrünung wird meist die Schaffung einer vielfältigen, bunten und abwechslungsreichen Pflanzendecke sein, die ohne aufwendige Pflege dauerhaft schön bleibt. Je abwechslungsreicher die Standortbedingungen und die Bewirtschaftung sind, desto mehr verschiedene Pflanzenarten können nebeneinander vorkommen. Sie können zum Beispiel unterschiedliche Substrate verwenden oder, bei einer Wiesenfläche einen Teil im Frühsommer, einen Teil im Herbst und einen Teil nur alle zwei Jahre mähen und so unterschiedliche Pflanzengemeinschaften ermöglichen. Bei kurzlebigeren Lebensräumen wie "Bunten" Äckern oder bunten Pionierfluren zweijähriger Pflanzen kann man Vielfalt durch unterschiedliche Zeitpunkte für den Anbau und die Bodenbearbeitung (Frühjahr, Herbst) erreichen.

Anbau von Wildpflanzen